Beckmanns illustre Runde am 17. Mai 2010
Artikel (Nr.1602) wurde am 18.05.2010 veröffentlicht
Zu Guttenberg, Scholl Latour und Müller waren am 17. Mai Gäste bei Beckmann.
Man erlebte einen ernsthaften Beckmann, der präzise Fragen stellte und den Antworten seiner Gäste genau zuhörte und darauf einging. Wohltuend enthielt er sich eigener Kommentare und Meinungen.
Zu Guttenberg, eine sich angenehm von der Masse seiner lärmenden Politikerkollegen absetzende Autorität, zeigte sich glaubwürdig und konzentriert. Er antwortete knapp, ruhig, mit komprimierten Inhalten und ohne jede Ausschweifungen auf Fragen. Kein Reden, nur des Redens willen, so wie es in diesen Talkrunden von Politikern im allgemeinen an der Tagesordnung ist.
Er machte deutlich, dass er ein offnes Wort für nötig halte und legte den Finger in die Wunde, als er darauf hinwies, dass er seinen Fehler – es ging um das Statement, das er nach dem Bombenangriff in Kundus abgab – öffentlich korrigiert habe.
Das ist – und da hat zu Guttenberg recht – in Politikerkreisen unüblich. Stimmt, auch deswegen werden Politiker immer weniger glaubhaft.
Kurzum, zu Guttenberg ist eine Liga für sich, da können die meisten anderen Politiker nicht ansatzweise mitspielen. Es wir immer deutlicher, warum Merkel diesem Mann ein Amt mit Schleudersitz angetragen hat. Nun glaubt man inzwischen allerdings nicht mehr, dass ihm dieses Amt schaden, oder er daran gar scheitern könne – vielmehr stärkt es ihn und man kann nur hoffen, dass er auf seine und die Schwesterpartei zukünftig wesentlich mehr Einfluss nehmen wird.
Dann kann es vermutlich eines Tages sogar einen bundesweit anerkannten Kanzlerkandidaten der CSU geben.
Scholl Latour, ein Kenner der politischen und militärischen Krisen dieser Welt, gab mit seinem unnachahmlichem Genuschel ebenfalls kurze, eindeutige und mitunter schmerzhafte Statements zum Besten.
Es ist tröstlich, dass ein 86- jähriger derart geistig rege und wortgewandt an einer solchen Runde teilnimmt – Respekt.
Müller – Mr. Dax genannt, macht deutlich, dass die meisten Politiker zwar gern über Finanzpolitik reden, aber davon in der Regel keine Ahnung haben. Nun, das ist nicht neu – eine Binsenweisheit.
Grundsätzlich ist allerdings Vorsicht geboten, wenn Menschen aus der Finanzindustrie derzeit Kommentare abgeben. Nie weiß man genau, was sie damit eigentlich bezwecken wollen.
Beckmann am 17. Mai war eine informative und trotzdem unterhaltsame Sendung. Der Mix macht’s eben.
|