Redaktionelle Texte
Artikel (Nr.1733) wurde am 18.06.2010 veröffentlicht
Unter den vielen verschiedenen Textarten gibt es komplizierte und weniger komplizierte Typen. Jeder Diskurs hat typische Merkmale, die ihn von anderen Textarten unterscheidet. Entscheidend bei der Art des Textes ist die Zielgruppe, die der Autor mit dem Text hat. Die Textart wird also ausgewählt, wenn der Text geschrieben wird. Zwar entscheidet ein Autor meist nicht bewusst von vorn herein, einen gewissen Diskurs zu schreiben, tut dies aber unbewusst, indem er typische Stil- und Strukturelemente dieser Textart benutzt.
Texte können auffordernd sein, wie etwa Werbetexte: Hier will der Autor dem Adressaten, also dem Leser, im besten Falle etwas verkaufen und argumentiert während des Textes für das zu verkaufende Produkt. Texte können auch beschreibend sein, wie etwa in einer Gebrauchsanweisung oder einer Packungsbeilage. Hier wird dem Leser etwas erklärungsbedürftiges, wie etwa ein technisches Gerät oder ein Medikament erklärt, dass er von alleine nicht oder nur unzureichend verstehen würde. Ganz wichtig hierbei: der Autor muss die Sprache des Textes auf das Wissen des Lesers anpassen. Das heißt, Fachwörter vermeiden, unkomplizierte Schreibweise, sonst ist der Leser überfordert.
Redaktionelle Texte sind eine Textart, die zum Beispiel in Zeitungen vorkommen. Sie sind eine besondere Spezies, die mit einer besonderen Textstruktur aufwartet: Der Pyramidenstruktur. Wer Zeitungstexte veröffentlicht, der muss den Leser schon mit der Überschrift in seinen Bann ziehen. Sie ist das oberste Glied für redaktionelle Texte. Der Leser soll sich für den gesamten Text interessieren und durch eine aussagekräftige Überschrift zum Weiterlesen verleitet werden.
Darunter folgt die Subheadline, oder ein abstract. Ersteres ist eine längere Überschrift unter der Überschrift. Unter „Wir sind Papst“, eine sehr erfolgreiche und bekannte Überschrift, stünde dann etwa „Benedikt ist gebenedeit unter den Kardinälen“ oder so etwas in der Art. Der Leser ist durch die interessante Überschrift interessiert, jetzt informiert er sich in aller Kürze durch eine Subhaedline oder ein abstract, um herauszufinden, ob er dem ganze Text eine Chance geben will.
Hat der Autor diese ersten beiden Hürden genommen, hat er es schon fast geschafft: Der Leser beginnt, den eigentlichen Text zu lesen. Hier, im Hauptkorpus, gelten natürlich auch wieder ganz spezielle Regeln für redaktionelle Texte. Die wichtigsten Fakten zuerst nennen, die W-Fragen sind schleunigst zu beantworten (was, wann, wo, wie, warum), den Leser nicht mit komplizierten Zahlen, Statistiken oder Hintergrundinfos überfordern. Zum Ende hin können redaktionelle Texte dann in ihrer geballten Informationsflut langsam ausklingen, wer den Leser bis hier hin bei der Stange gehalten hat, kann sich am Ende auch ein wertendes Element erlauben oder mit einer kleinen Pointe abschließen.
Natürlich gibt es auch unter den redaktionellen Texten Unterschiede. Ein Text mit der oben genannten Überschrift wird in einem bestimmten Medium veröffentlicht. In einer Boulevard-Zeitung sind ganz andere stilistische Mittel möglich und nötig, als in einem wöchentlichen Nachrichtenmagazin. Auch in Stil und Sprachwahl gilt also immer: An den Leser denken!
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