Ein Rotwein zum Date
Artikel (Nr.1945) wurde am 02.08.2010 veröffentlicht
Samstag abend. Ich bin aufgeregt. Gleich wird es an der Tür klingeln. Ich habe heute Abend ein Date. Die Blonde aus der Buchhaltung kommt zum Essen zu mir. In meine Junggesellenbude. Meine Chance, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen möchte. Die Lasagne blubbert im Backofen. Der Rotwein ist schon geöffnet, kann atmen. Wenigstens kann der Rotwein atmen, mir stockt er nämlich schon. Die Bude ist aufgeräumt, der Tisch ist gedeckt. Weiße Servietten, das Besteck ordentlich hingerichtet, die Rotwein-Gläser poliert und die Kerze brennt. Romantisch, ja so soll es sein.
Noch einmal einen Blick in den Backofen: Ja, mit dem italienischen Essen ist alles in bester Ordnung. Gestern noch einmal gegoogelt, geschaut, dass man ja keinen Fehler macht. Noch einmal alle Weintipp im Internet nachgelesen, den richtigen Wein zum passenden Essen herausgesucht. Weißwein, Rotwein oder Rosé? War mir bisher ziemlich egal, als Single und Biertrinker. Aber Susanne, so heißt die Blonde aus der Buchhaltung, macht nicht der Eindruck, dass sie zum Candle-Light-Dinner ein Bier möchte. Also mich ganz genau über Wein erkundigt. Hatte mich für einen italienischen Rotwein entschieden. Doch in letzter Sekunde noch das Land geändert und mich dann für eine Flasche Pinot-noir-Rotwein aus Frankreich entschieden. Wie im Weintipp beschrieben, die Flasche schon zwei Stunden vorher geöffnet, damit sie atmen kann.
Dann das Essen vorbereitet und noch mal geduscht. Wir wollen ja schließlich keinen schlechten Eindruck hinterlassen.
Die flackernde Kerze wirft seltsame Schatten an die Wand. Die Musikanlage spielt leise romantische Lieder. Hab verzweifelt eine alte CD mit Kuschelsongs gesucht. Doch die sind irgendwo im Keller verschwunden. Also müssen MP3s herhalten. Susanne wird das hoffentlich verstehen. Das Herz pocht, sie ist schon fünf Minuten zu spät …
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