Springerle Model - Geschichte und Hintergrundinformationen
Artikel (Nr.257) wurde am 07.06.2007 veröffentlicht
Wie Spekulatius sind die Springerle Bildgebäcke - traditionelle Weihnachtsplätzchen aus einem Eierschaumteig. Dieses Kunsthandwerk ist weit verbreitet in Süddeutschland, der Schweiz, Ungarn aber auch in Teilen Frankreichs.
Der Name Springerle stammt ursprünglich aus dem Schwäbischen – man ist aber nicht sicher, ob es von einem sehr alten Motiv, einem Reiter (Springer) abgeleitet wurde, oder, was wahrscheinlicher ist, diese Bezeichnung daher stammt, dass diese Bildgebäcke beim Backen aufspringen, also aufgehen. Man kann tatsächlich beobachten, wie der Teig im Ofen leicht auf die doppelte Höhe wächst, man sagt, er bekommt „Füßle“.
Der Teig für die Springerle Model wird aus Eiern, Puderzucker, Mehl und ungemahlenem Stern-Anis hergestellt. Als Treibmittel wird Hirschhornsalz verwendet. Die unterschiedlichsten Rezepte für die Herstellung von Springerles findet man in jedem niveauvollen deutschen Rezeptbuch für Gebäck, aber auch die Recherche im Internet liefert brauchbare Ergebnisse.
Die Backmasse muss feinstkörnig und geschmeidig sein, damit auch die kleinsten Details aus dem Model abgebildet werden. Die Plätzchen sollten vor dem Backen ungefähr einen Tag trocknen. In dieser Zeit härtet das Bild aus und verändert sich so beim Backvorgang nicht mehr. Das abgebildete Motiv bläht sich dank der Festigkeit, die der Teig durch die Trocknung erhalten hat nicht auf, die gewünschten Füßchen bilden sich. Im Gegensatz zum Lebkuchenmodel sind die Springerle-Model nicht so tief ausgearbeitet. Damit wird die komplette Durchtrocknung der Springerle sichergestellt.
Historisch kann man die Springerle im Mittelalter einordnen. Ursprünglich kirchliche Motive wurden in Materialien wie Stein, Metall, Keramik und Holz gearbeitet, um das Gebäck mit immer neuen Bildern zu verzieren. Später wurden biblische Überlieferungen oder kirchliche Symbole angefertigt. Noch heute sind gerade weihnachtliche oder österliche Motive sehr beliebt.
Mit der Erstarkung des Bürgertums setzten sich ab dem 18. Jahrhundert mehr und mehr die weltlichen Motive durch. Themen wie Glück, Liebe, Mode und Wappen finden in zahlreichen Formen ihren Ausdruck. Springerle wurden oft zur Verlobung, zur Hochzeit oder einfach als Werbung verschenkt.
Mit der zunehmenden Produktion von Massenwaren durch die Industrie und der abnehmenden Bereitschaft, viel Zeit in die Herstellung von solch aufwändigem Gebäck zu investieren, geht die Beliebtheit Springerles zu backen seit dem 20. Jahrhundert stark zurück.
Das übliche Ausgangsmaterial für den Modelschnitzer ist Birnenholz. Es ist hart, splittert kaum, seine Fasern richten sich nicht auf, wenn es mit Wasser in Berührung kommt. So können auch feinste Ziselierungen auf dem Plätzchen abgebildet werden.
Das Stechen von Model gehörte lange Zeit zum Handwerk der Konditoren und Zuckerbäcker – später entwickelte sich aufgrund des hohen Bedarfs an Model ein eigenständiger Berufszweig daraus. So zogen manche der Modelstecher auf Kost und Logis in die Häuser ihrer Auftraggeber ein und residierten dort solange, bis alle erteilten Aufträge abgearbeitet waren. Anschließend zogen die Modelstecher weiter bis zum nächsten Auftrag.
Die meisten heutigen Model werden leider gegenwärtig unter Zuhilfenahme von Fräsen hergestellt, später wird ihnen durch wenige meist dilettantische Einkerbungen von Hand das Prädikat „Handarbeit“ verliehen. Doch wird durch diese wenigen Schnitte das insgesamt grobe Bild nicht wesentlich verbessert.
Durch die einmalige Anfertigung jedes Model bei DUKASI entstehen nur Originale, die sich von anderen Herstellern durch das eigens aufgeprägte Brandzeichen unterscheiden. Jedes Motiv entsteht nur einmal im Holz, was den Wert dieser kompletten Handarbeit erhält.
Es gibt noch wenige Model-Stecher, die manchmal auf kunsthandwerklichen Vorführungen ihr Handwerk demonstrieren und vor Ort ihre fein geschnitzten Model verkaufen.
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