Im Hochland Lapplands
Artikel (Nr.264) wurde am 11.06.2007 veröffentlicht
Im Hochland Lapplands
Von den großen, freien Wildmarken
hinunter in den Industrieregen im Südosten zu Wasser kommen, der säuerlich auf
Wege und Straßen platscht, das erweckt einem bestimmte Gedanken. Wasser ist eine
gute Sache.
Aber wir waten nicht im gleichen
Wasser drunten in den Tälern der Verunreinigung wie droben auf der Höhe. Nachdem
ich gut achtzig Kilometer über Flüsse und reißende Bäche gewandert war, an
Gletscherbächen entlang, voll glänzend klarem, sauberem Wasser, in dem ich mein
Gesicht baden und das ich Mundvoll trinken konnte, ohne nach seiner Herkunft zu
fragen – da hakte sich das Wort Luxus in mir fest. Hier watete ich in einem
Überfluss von reinem Wasser.
Wenn ich es schmeckte, war es gut
wie Wein, frisch, erfrischend. Alle anderen Getränke waren überflüssig -
unnötig.
Legte ich mich schlafen,
schlummerte ich ein unter dem Rauschen von Wasser. Eine Nacht mit dem Brausen
des Flusses. Eine andere Nacht mit dem Donnern des Wasserfalls. Eine dritte
Nacht mit dem Rieseln mehrerer Bäche, die hinter dem Lichtschein meines
Lagerfeuers zusammenflossen.
Ich rannte mich in Schweiß auf
langen Steigen – doch der Durst brauchte mich nicht zu plagen. Watete ich nicht
in Luxus?
In einer Zeit, in der Trinkwasser
in dicht bevölkerten Gebieten zum Problem wurde, in der Flüsse aussehen wie
fließende Latrinen, war das, als käme ich ins Paradies, wo Wasser ist und nichts
sonst.
Der Geschmack, der Anblick, das
Geräusch des Wassers sitzen in mir wie eine wunderbare Erzählung aus alten
Zeiten.
Während dieser Wanderung inmitten
von Musik aus Wasser, das rieselte, Wasser, das dröhnte, Wasser, das still und
tief dalag oder in wilden Stromschnellen brauste, traf ich einen Schweden, der
einige der Hütten der schwedischen Touristenvereinigung in Ordnung hielt. Er
fällte Holz im Bergwald und trug die kleinen Birkenstämme auf der Schulter zur
Hütte. Er hatte einen schwer zu bestimmenden Akzent, den ich anfangs nirgendwo
unterbringen konnte, er hätte ein Deutscher sein können, der
Schwedisch sprach, ein Finne, der Norwegisch-Schwedisch sprach, oder ein
Norweger, der Finnisch-Schwedisch sprach.
In einer Höhe von tausend Metern
gab es manchmal auch zuviel von dem guten Wasser, wenn es mich im Gegenwind traf
und bis auf die Haut nass peitschte. Dann tut eine Rast besonders gut. Jede Rast
fängt außerdem mit Wasser an. Man wäscht sein brennendes Gesicht mit eiskaltem
Wasser, man füllt den Kochtopf mit kristallklarem Wasser und rührt eine
Tütensuppe an.
Und wirft man einen Blick hinaus
über die Bergheide, von der man kommt, und auf den Weg, der vor einem liegt,
dann schlängeln sich kleine Bäche und Flüsse durch graue Felsenhänge und
bleiches Berggras wie Zinnfäden in einem Gewebe.
Die Berge sind karg, aber das
Wasser ernährt viele seltene Gewächse. Zum schönsten, was wir so hoch über dem
Meer finden können, gehört die leuchtende kleine Eisranunkel.
Sie hat einen Sommer lang vom
Wasser der Gletscher getrunken und hat in ihrer zarten Welt, die nur aus einem
Stiel und einer Blüte besteht, all die Schönheit versammelt, die es im Gebirge
gibt.
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