Allergiker müssen die Augen aufhalten
Artikel (Nr.46) wurde am 10.11.2006 veröffentlicht
Praktische Empfehlungen bei Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
(Aachen – 9. November 2006): Grundsätzlich sind Allergien, Unverträglichkeiten und Intoleranzen sowie Abneigungen gegen Lebensmittel voneinander zu unterscheiden, wenn die diätetische Ther apie wirksam sein soll, unterstrich im Oktober Diätassistent Sven-David Müller-Nothmann vom Zentrum für Ernährungskommunikation und -beratung (ZEK) bei einem Kongress im Karman-Auditorium der RWTH Aachen. Zudem gibt es verschiedene Allergietypen, wobei die meisten Nahrungsmittelallergien dem Sofort-Typ zugehörig sind. Diese sind IgE-vermittelt. Pseudoallergische Reaktionen gegenüber Lebensmittelinhaltsstoffen und/oder Lebensmittelzusatzstoffen sind selten. Nahrungsmittelallergien sind ebenfalls relativ selten. Viel häufiger sind Pollenallergien.
Lebensmittel, genauer die darin enthaltenen Proteine, die häufiger zu allergischen Reaktionen führen, sind nach Müller-Nothmann Fisch und andere Meeresfrüchte, Hühnereier, Milch, Nüsse, Soja sowie bestimmte Gemüsesorten und Kräuter. Zudem gibt es Kreuzallergien, die auch Lebensmittel(inhaltsstoffe) betreffen können. Bekannt ist die Sellerie-Karotten-Beifuss-Allergie. Die Ernährungsther apie einer Allergie besteht in der Karenz des Lebensmittels. Das k ann zu M angelernährung führen, wenn nicht diätetische Maßnahmen, eine ausgeklügelte Diätberatung durch Diätassistenten sowie gegebenenfalls die Substitution von bestimmten Mikronährstoffen erfolgen. Allergiker müssen die Karenz aber nicht in jedem Falle lebenslänglich durchhalten, machte Müller-Nothmann Hoffnung, Eine Provokationsdiät darf nur unter ärztlicher Aufsicht geschehen, da die Aufnahme des Allergens zu einem lebensgefährlichen an aphylaktischen Schock führen kann. In vielen Fällen ist eine Eliminations- und Provokationsdiät der Schlüssel zum diagnostischen Erfolg, denn andere Tests können falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse erbringen.
Im Gegensatz zu Pseudoallergien sind klassische Allergien nicht dosis abhängig. Besonders häufig ist eine pseudoallergische Reaktion gegen den gelben Farbstoff Tartrazin (E 102). Neurodermitis ist keine allergische Erkrankung, aber diese Kr ankheit geht häufig mit Nahrungsmittelallergien, Pseudoallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten einher. Der Aufbau einer gesundheitsförderlichen Darmflora durch Pro biotika zeigt bei Neurodermitis oft erstaunliche Erfolge. Eine Studie mit Brottrunk zeigte, dass die typischen Neurodermitis-Beschwerden wie Jucken und Hautreizungen deutlich zurückgingen. Müller-Nothmann empfahl den täglichen Konsum von 2 Gläsern Brottunk und die Einnahme von entzündungshemmendem Zink in Form des herausragend bioverfügbaren Zinkhistidin sowie Oligofruktose. Dieser Ballaststoff dient den pro biotischen Bakterien des Brottrunks als Substrat und fördert ihren neurodermitis-lindernden Effekt.
Es gibt hitzest abile und hitzeinst abile Allergene. Daher müssen Kuhmilchallergiker genau wissen, auf welches Kuhmilch-Protein sie allergisch reagieren. Grundsätzlich sollten Patienten ohne exakte Diagnosestellung keine Lebensmittel weg gelassen, denn sonst droht schwerwiegende Mangelernährung, warnte Müller-Nothmann. Allergien gegen Zucker oder Salz sind nicht bek annt. Die Zöliakie ist wahrscheinlich keine Allergie. Die Ther apie besteht in der lebensl angen Meidung von bestimmten Getreideeiweißen, die Best andteil des Brotgetreides (Roggen, Gerste und Weizen), aber nicht von Hafer sind. Die Lebensmittelkennzeichnung hat sich in den verg angenen Jahren zu Gunsten von Allergikern und Menschen, die unter Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Nahrungsinhaltsstoffen oder Lebensmitteln selbst leiden, verbessert. Nicht eindeutig bewiesen ist, ob Glutamat zu allergischen oder ähnlichen Reaktionen führt – auch steht der Beweis des so genannten Chinesen-Restaurant-Syndroms aus.
Besonders häufig ist die Unverträglichkeit gegenüber Laktose. Es gibt verschiedene Formen der Laktoseintoler anz. In der Regel ist diese auf eine m angelhafte Bildung von Laktase zurückzuführen. In der Ernährungsther apie muss Laktose gemieden werden. Außerdem hat sich die Supplementation von Laktase bewährt. Solche Produkte gibt es preiswert in Drogerien zu kaufen. Inzwischen gibt es außerdem eine Reihe von milchzuckerarmen/-freien Milchprodukten, so dass Betroffene eine ausreichende Kalziumzufuhr gewährleisten können.
Literatur:
Praxis der Diätetik und Ernährungsberatung, Hippokrates Verlag, 39,95 Euro
Autor:
Sven-David Müller-Nothm ann
Zentrum für Ernährungskommunikation und -beratung (ZEK)
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52066 Aachen
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