Der Bilderrahmen als Unterstützung des Kunstwerks
Artikel (Nr.578) wurde am 03.12.2007 veröffentlicht
Die Rahmung von Kunstwerken hat mehrere Funktionen: Zunächst einmal fungiert sie als Bilderhalter des Bildes oder
der Poster, Kunstdrucke. Denn jedes Bild kann erst zur Geltung kommen,
wenn es sichtbar ist und präsentiert wird. Schon an zweiter Stelle steht die Schutzfunktion. Direkte Einflüsse der
Umwelt wie Staub, Zigarettenrauch, Luftfeuchtigkeit, Temperaturschwankungen oder Berührungen des Bildes werden somit
abgehalten. Doch ausgehend von diesen ursprünglichen praktischen Funktionen hat der Bilderrahmen
immer mehr an zusätzlicher Bedeutung gewonnen. Er inszeniert das Bild, lenkt die Aufmerksamkeit auf es und grenzt es von seiner Umgebung ab.
Spätestens seit dem Barock und Rokoko kann der Bilderrahmen sicherlich auch als Statussymbol beeindrucken. Oder aber er stellt, etwa
bei echten Vergolderrahmen, einen reellen materiellen Wert dar. Durch den großen Einfluss, den ein Rahmen auf ein originales oder auch
reproduziertes Kunstwerk haben kann, ist bei seiner Auswahl Fingerspitzengefühl gefragt. Denn ebenso wie das Bild durch den Rahmen
unterstützt werden kann, indem er den Fokus auf es lenkt, kann er es auch stören, überfrachten oder gar von ihm ablenken.
Je schlichter ein Rahmen ist, desto mehr tritt die Kunst in den Vordergrund. Dennoch kann ebenso ein aufwändig gestalteter Rahmen das
Kunstwerk aufwerten oder seine Ausstrahlung gezielt steigern.
Kombinationen von Alt und Neu oder von Schlicht und Pompös sowie das Aufgreifen einer im Bild dominanten oder zentralen Farbe durch die
Rahmenleiste können ebenso ihren eigenen Reiz haben – hier greift das erwähnte Fingerspitzengefühl. Bei manchen Kunstwerken
kann oder sollte jedoch auf einen Rahmen verzichtet werden, soweit die Raumsituation dies zulässt: Besonders gestisch-expressive Malerei
verlangt nach uneingeschränktem Wirkungsspielraum, da ihre Hauptakteure Farbe und Dynamik meist über die Leinwand in den Umraum hinaus
weisen. Ein Rahmen würde in solchen Fällen eine unnötige Begrenzung oder sogar Einengung bedeuten.
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