Jobs in der Veränderung: Von der Industrialisierung bis heute
Artikel (Nr.949) wurde am 20.10.2008 veröffentlicht
Bis hin zum 18 Jahrhundert erwirtschafteten sich viele Menschen ihren Lebensunterhalt als Selbstversorger durch Agrikultur und durch Züchten der Tiere. Mit dem Beginn des industriellen Zeitalters und die damit einhergehende Entstehung der so genannten Arbeitsteilung änderte sich der Ausgangszustand.
Die Entstehung des sekundären Wirtschaftssektors der damaligen Industrie (und anschließend auch des nachfolgenden Bereich der Dienstleistungen) führten zu einer großen Veränderung in der Geschäftswelt. Mit den Jahren entwickelte sich eine Arbeiterschicht, welche als abhängige Bedienstete bei einem Betrieb beschäftigt waren und für ihre Arbeitsleistung durch Geldleistungen belohnt wurden. In der Bundesrepublik optimierten sich die besonders zu den Anfängen des industriellen Zeitalters doch sehr desolaten Arbeitsumstände durch Arbeitnehmervertretungen, tarifliche Verträge und vom Staat festgelegte Bestimmungen wie zum Beispiel der sogenannte Kündigungsschutz.
Mit den Verbesserungen der Arbeitsumstände kam nach 1918 auch eine Erhöhungein Aufstieg der Sicherheit des Arbeitsplatzes einher. Daher war es zu Zeiten des sogenannten Wirtschaftswunders in der Bundesrepublik ab den fünfziger Jahren nichts Ungewöhnliches, dass ein Arbeitnehmer über mehrere Jahre oder selbst dutzende Jahre bei einem Unternehmen angestellt war oder gar sein komplettes Leben hindurch bis zum Beginn seiner Pensionierung stets in dem gleichen Betrieb arbeitete. Infolgedessen wurden mit den Bediensteten oftmals feste Verträge ohne Determinierung ausgemacht, wodurch die Arbeitnehmer eine komfortable Planungs- und Arbeitsplatzsicherheit erhielten.
Das Ende des kalten Krieges und der Beginn der des globalen Handelns verursachten komfortable Umwandlungen für die Wirtschaften der Industriestaaten in Europa und besonders für die deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in Deutschland mit sich. Da der Bundesrepublik ein Hochlohnland ist und die Personalkosten in den osteuropäischen Staaten und den asiatischen Staaten deutlich niedriger sind, wurde Flexibilität im Personalbereich für Betrieb extrem relevant, weshalb determinierte Arbeitsverträge und Zeitarbeit an Wichtigkeit gewannen und die Schwankung in den Betrieben in die Höhe stieg. Wegen der hohen Personalkosten und einigen gesetzlichen Hindernissen wie zum Beispiel dem oft debattierten der sogenannte Kündigungsschutz stellten Betrieb neue Mitarbeiter oftmals nur für eine bestimmte Zeit ein oder es gab ganz einen Verzicht auf Schaffung neuer Arbeitsplätze. In der Bundesrepublik führte dies zu einem darstischen Anstieg der Nichtbeschäftigten auf über fünf Millionen Menschen.
In der Bundesrepublik bemühte sich die SPD und die Grünen innerhalb der Jahre des wirtschaftlichen Stillstands kurz nach der Jahrtausendwende, die Nichtbeschäftigten anzugehen und den Handel anzutreiben. Hierfür wurden die sogenannten Agenda 2010 und die Hartz-Reformen entwickelt, welche vor allem eine Festigung der Zeitarbeit durch den Abbau von strengen Richtwerten wie zum Beispiel einer maximalen Überlassungszeit arrangieren sollten. Für die Firmenchefs hat Zeitarbeit den Vorteil, dass bei extrem hoher Auslastung eines Betriebes über solche Dienstleister flexibel Mitarbeiter hinzugezogen werden können. Diese Zeitarbeiter sind bei der Zeitarbeitsfirma beschäftigt und werden von ihr bezahlt.
Wenn die Arbeit in dem ausleihenden Unternehmen sinkt, muss der Arbeitnehmer nicht weiter von dieser Firma angestellt werden und die Zeitarbeitsfirma findet eine neue Firma für ihn. Die Personallogistik liegt in der Kraft der Zeitarbeitsfirma. Der größte Nutzen für den Arbeitnehmer ist, dass er das Stadium der Nichtbeschäftigten überwindet, praktische Erkenntnisse sammelt und bei ordentlicher Leistung gegebenenfalls auch Aussicht auf eine Einstellung und somit eine Festanstellung in einem Betrieb erlangt. Der Bereich Zeitarbeit und Personaldienstleistung gewann wegen der Lockerung staatlicher Gesetze somit deutlich an Attraktivität, was zur Konsequenz hatte, dass mehrere Betrieb seit mehreren Jahren ergänzend zur Stammbelegschaft verstärkt auf Arbeitnehmer zurückkommen. Somit trug ebenfalls die Zeitarbeit Deutschland seinen Teil zum spürbaren Abbau der Nichtbeschäftigten seit dem Jahr 2006 bei.
Ralph Schuenemann
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